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Kommunikologie

 

"Solange das Verhältnis zwischen Text und Technobild undurchsichtig bleibt (und das bleibt es trotz des soeben unternommen Versuchs, weil sein Verständins eine Bewusstseinsebene erfordert, der wir nicht standhalten können), solange werden wir der Gefahr ausgesetzt bleiben, daß unsere Begriffe von Technobildern verschlungen werden. Oder, um es anders zu sagen: Solange sich in unserem Bewußtsein nicht jene Ebene gefestigt hat, auf welcher Technobilder funktionieren, werden wir in einer von ihnen kodifizierten Welt herumtorkeln, ohne uns der Programme, nach denen sie uns manipuliert, bewußt werden.(...) Die Gegenwärtige Situation kann nicht nur lange andauern, sie kann sich festigen und verhärten, je länger sie dauert. Es werden nämlich im Verlauf dieses Zustands immer mehr Menschen von den Apparaten aufgesogen, um dort als Operatoren zu funktionieren. Daher ist eine Grenzsituation denkbar, in welcher dem Wort <<Operator>> (...) die ganze Menschheit entspricht.(...) Man kann diesen <<Staat>> als Apparat definieren, innerhalb dessen die ganze Menschheit funktioniert, um Texte in Technobilder, Geschichte in Programme, Begriffe in Technowahrnehmungen, kurz das Leben in Sensationen zu übertragen.(...)Es gibt nur eine Erkennbare Methode, diese Errichtung des Paradieses auf Erden, diesen Sturz der Geschichte in den Abgrund der bedeutungslosen - weil undurchsichtigen - Technobilder zu vermeiden: den Versuch nämlich, diese Technobilder entziffern zu lernen, also das Verhältnis zwischen Text und Technobild zu durchschauen."

 

Flusser,Vilem, Kommunikologie, Bollmann Mannheim 1996, S.167-168